Corona: Argumentationstipps

Corona: Argumentationstipps

In Diskussionen über Themen rund um die Corona-Pandemie geht es schnell hoch her. Nicht selten werden Meinungen wie Fakten behandelt oder Falschinformationen verbreitet. Bei komplexen Themen ist Desinformation nichts Ungewöhnliches, sie erschwert aber den konstruktiven Dialog. Wir haben auf dieser Seite Informationen über Verschwörungserzählungen und den Umgang mit Corona-Leugnern zusammengestellt. Sie ergänzt die Gegenüberstellung von Corona-Mythen und Fakten, der wir eine eigene Seite gewidmet haben.

Im Folgenden gehen wir darauf ein,

 

Verschwörungserzählungen im 21. Jahrhundert

Verschwörungserzählungen gibt es schon lange. Mit der Corona-Krise tritt dieses Phänomen stärker in Erscheinung. Was zudem neu ist, ist die Schnelligkeit der Verschwörungsideen: Durch die vielen – digitalen – Verbreitungswege erreichen diese in kurzer Zeit einen großen Empfängerkreis.  Rein theoretisch kann im Zeitalter von Internet und Social Media jede und jeder Verschwörungserzählungen verbreiten. Die Kanäle reichen von Gruppen bei WhatsApp oder Telegram über Facebook und eigene Internetforen bis hin zu den Demonstrationsveranstaltungen der sogenannten Querdenker.

 

Informationsquellen: Qualität ist wichtig

Traditionell waren das Recherchieren, Prüfen und Verbreiten von Informationen Journalistinnen und Journalisten vorbehalten. Sie haben häufig nicht nur eine entsprechende Ausbildung absolviert, sie unterliegen vor allem dem Presserecht und sind ethischen Standards, etwa dem Pressekodex, verpflichtet. Sie achten auf die Verlässlichkeit ihrer Quellen, auf den Wahrheitsgehalt der Informationen – ihre Aufgabe ist es in erster Linie, Informationen bereit zu stellen, auf deren Basis sich die Leserinnen und Leser eine eigene Meinung bilden können. Inzwischen jedoch lässt sich beobachten, dass eine Art Informationsparallelwelt entstanden ist, in der journalistische Werte keine Rolle spielen, sondern bewusst – teils ungeprüfte – Fehlinformationen öffentlich gemacht werden.

 

Gründe für die Entstehung von Corona-Mythen

Vor diesem Hintergrund erfahren auch Corona-Verschwörungserzählungen Verbreitung. Gründe dafür gibt es viele: Krisensituationen wie diese schaffen Unsicherheit und lösen Angst aus. In dieser Situation braucht es einen „Sündenbock“, dem alle Schuld zugeschoben werden kann. Vielfach erscheint es einfacher, Schuldige zu benennen, die man selbst nicht kennt – seien es ganze Gruppen („die jüdische Weltverschwörung“), seien es einzelne Persönlichkeiten (Bill Gates), die als Feindbilder ausgemacht werden. Die theoretischen Fakten sind oft abstrakt, vielleicht auch langweilig und komplex – sie lassen sich nicht immer schnell und ohne Aufwand erfassen. In Situationen wie der Corona-Pandemie, in der viele Dinge nach gut einem Jahr naturgemäß noch unklar sind, spielt das Gefühl des Kontrollverlusts eine große Rolle: Das Verbreiten von Mythen gibt – gefühlt –  die Kontrolle über das eigene Leben zurück. Wer seine Thesen verbreitet, wird aktiv, statt die Unsicherheit passiv zu ertragen. Auch erhalten betroffene Personen wieder einen Teil äußerer Bestätigung zurück: Durch das bewusste Verbreiten von „alternativen Fakten“ wird versucht, aus der Menge herauszustechen und die eigene Besonderheit hervorzuheben. Gerade in den sozialen Medien geraten Menschen, die Verschwörungserzählungen anhängen, in eine Parallelwelt, aus der sie – nicht zuletzt – durch die Funktionsweise der Algorithmen kaum mehr herauskommen können.

 

Corona-Mythen und Falschnachrichten erkennen

Allgemein fällt auf, dass viele Verschwörungsmythen eher faktenresistent sind. Eine argumentative Auseinandersetzung mit denjenigen, die an sie glauben, ist teilweise kaum möglich und oft nicht zielführend.

Der erste Schritt, Fake-News zu bekämpfen, liegt darin, bereitgestellte oder geteilte Informationen zunächst als Desinformation zu entlarven. Dabei kommt Social Media eine besondere Rolle zu: Hier ist es unkompliziert möglich, Falschnachrichten weiterzuleiten und eine Vielzahl an Empfängern zu erreichen. Dabei können weitreichende digitale Kettenreaktionen ausgelöst werden.

Folgende Punkte können dabei helfen, Fake-News zu enttarnen:

  • Kommt Ihnen der Inhalt auf einer Webseite suspekt vor, ist es ein erster Schritt zu überprüfen, ob diese über ein Impressum verfügt. Dieses gibt Aufschluss über die rechtlich verantwortlichen Betreiber der Webseite. Falls kein Impressum vorhanden ist, ist dies ein Indiz für eine wenig vertrauenswürdige Quelle.
  • Aus einer Nachricht sollte hervorgehen, wer die Autorin bzw. der Autor ist und auf welche Quellen sich die Information stützt. Finden sich dazu keine Angaben, stellt sich die Frage, wie vertrauenswürdig dieses Medium ist.
  • Bevor die geteilte Nachricht weiterverbreitet wird, sollten Sie in jedem Fall überprüfen, ob diese Information auch bei seriösen Nachrichtenportalen und Informationsdienstleistern zu finden ist. Oftmals sind Meldungen aus dem Zusammenhang gerissen oder in einen falschen Kontext gestellt.

Auch können Sie sich so selbst vor Desinformation schützen: Nutzen Sie, soweit möglich, eine große Bandbreite seriöser Medien. Dies hilft Ihnen, sich einen Überblick zu verschaffen und Informationen kritisch zu hinterfragen.

  • Bei besonders reißerisch formulierten Inhalten sollten ebenfalls die Alarmglocken schrillen. Seit jeher bestimmt eine sachliche und Emotionen außen vor lassende Berichterstattung den Anspruch eines professionellen Journalisten. Aufwühlende Titel beispielsweise haben meist höhere Klickzahlen im Internet statt einer seriösen Berichterstattung zum Ziel.

Weitere Informationen zur Überprüfung von Foto- und Videoinhalten finden Sie auf der Seite des Fraunhofer-Instituts für Informationstechnologie.

Was kann ich tun, wenn ich Falschnachrichten entdecke?

Wenn Sie im Internet auf Desinformationen gestoßen sind und diese melden oder auf ihren Wahrheitsgehalt prüfen möchten, können Sie zum Beispiel folgende Angebote nutzen:

 

Tipps für den Umgang mit Corona-Skeptikern und Corona-Leugnern

Wenn Sie Falschwahrheiten aktiv widersprechen wollen, ist es wichtig, zwischen dem öffentlichen und dem privaten Diskurs zu unterscheiden: Trifft man auf AnhängerInnen von Verschwörungserzählern in der Öffentlichkeit, ist es durchaus ratsam, gegen die verbreiteten Inhalte zu argumentieren und etwa homophoben oder rassistischen Ideologien keinen Raum zu geben. Wenn es auch nicht gelingen mag, die jeweilige Person zu überzeugen, die eigene Position zu hinterfragen, ist das Dagegenhalten dennoch ein wichtiges Signal: So wird für Dritte sichtbar, dass beispielsweise menschenfeindliche Parolen nicht die allseits geteilte Meinung sind. Nimmt man Verschwörungserzählungen kommentarlos hin, kann dieses Schweigen hingegen Zustimmung signalisieren.

Begegnen Sie – z.B. im Beruf oder bei Freizeitaktivitäten – menschenverachtenden Aussagen, könnte es ein gangbarer Weg sein, sich an Vorgesetzte oder Vertreter des Personalrats zu wenden; vielleicht ist es auch möglich, bestimmte Aussagen oder Verhaltensweisen beispielsweise durch die Vereinssatzung zu sanktionieren. Sind Kommentare verfassungswidrig, können sie zur Anzeige gebracht werden – auch dies können Sie in Erwägung ziehen und sich aktiv gegen Menschenfeindlichkeit einsetzen.

Häufig treten im nächsten Umfeld, im Familien- und Freundeskreis, Verschwörungserzählungen auf. Welche das konkret sein können, haben wir auf der Seite Mythen und Fakten zusammengestellt.

Vorschläge für einen konstruktiven Umgang mit Falschbehauptungen

Vorschläge, wie Sie diesen Behauptungen konstruktiv begegnen können, fassen wir Ihnen nachstehend zusammen. Dabei gilt: je näher man der betroffenen Person ist, desto wahrscheinlicher, dass man auch etwas bewirken kann.

  • So früh wie möglich ansprechen, wenn Falschwahrheiten verbreitet werden, denn je tiefer eine Person von einem Mythos überzeugt ist, desto schwieriger wird es, sie davon abzubringen.
  • Betroffene nicht mit Fakten überhäufen, sondern Gesprächsangebote machen und auf objektive Informationsangebote hinweisen (z.B. auf einen aufklärenden, objektiven Podcast wie denjenigen der Bundeszentrale für politische Bildung, oder auf Internetseiten, die objektiv informieren), Austausch anbieten.
  • Nach der Herkunft der Information fragen, Quellen kritisch beleuchten, konkrete Fragen stellen.
  • Darauf hinweisen, dass Unwissenheit auch manchmal ausgehalten werden muss. Das SARS-CoV-2-Virus, das Covid-19 auslöst, ist erst seit etwas mehr als einem Jahr bekannt – fehlende wissenschaftliche Erkenntnisse oder Langzeitstudien sind in diesem Stadium normal.
  • Selbst vertrauenswürdige Informationen geben – wenn Sie sich tiefergehend informieren wollen, finden Sie hier verschiedene Angebote des Bürgerbeauftragten der Bayerischen Staatsregierung.
  • Betroffene ernst nehmen, Verständnis für Sorgen zeigen.
  • Bei sehr irrationalen Weltbildern: eher auf Gefühle und Ängste der Person eingehen und diese entkräften, anstatt harte Fakten zu liefern und sich in Details zu verlieren.
  • Eigene Grenzen ziehen, homophobe Aussagen, rassistische Weltbilder etc. als solche benennen.
  • Sich darüber im Klaren sein, dass es ein langer Prozess sein kann, Corona-Kritiker von Verschwörungsmythen abzubringen.
  • Im Extremfall: Kontaktabbruch ankündigen, vielleicht entsteht daraus ein Umdenken.
  • Beratungsangebote wahrnehmen.

Grundsätzlich müssen betroffene Personen selbst den Weg aus der Parallelwelt herausfinden. Angehörige können Anknüpfungspunkte zu wissenschaftlich-basierten Standpunkten bieten und als Motor für ein Umdenken wirken.